Vertrauen
Vor einiger Zeit hatte ich in der Arbeit einer Interessante DIskussion zu einem meiner “liebsten” Themen: Vertrauen. Vor allem: Vertrauen in Firmen, Vertrauen in verteilten Projekten. Kurz und knackig: Ich denke, daß wir in der Jagd nach Effizienz, Formalisierung und KPIs den “Produktionsfaktor Vertrauen” aus den Augen verloren haben. Darüberhinaus denke ich, daß formale Kommunikation (Newsletter, Statusberichte usw.) grundsätzlich nicht in der Lage sind, die zwischenmenschliche Beziehung aufrechtzuerhalten oder aufzubauen, die für effizientes Arbeiten in der Wissensgesellschaft notwendig ist. Um meine eigenen Gedanken zum Thema zu sammeln, habe ich zunächst eine neue Kategorie in diesem Blog eingerichtet: Eine Unterkategorie von “Praktisches”.
Vertrauen beschäftigt mich schon seit einiger Zeit – vor allem, seit ich mich systematisch mit verteilten Projekten auseinandersetze.
- Was unterscheidet Projekte wie das World Wide Web (oder Mozilla, Apache, oder Eclipse oder oder oder) von den tausenden von Open Source Projekten, die einfach nie wirklich abheben?
- Was unterscheidet die wenigen erfolgreichen verteilten Projekte in einem Unternehmen von den vielen Rohrkrepierern?
Ich denke, es ist der Umgang mit Kommunikation und Vertrauen. Als Einstig ins Thema möchte ich zunächst ein paar “Offensichtlichkeiten” aufzählen, die uns im Alltag immer wieder durch die Finger gleiten:
- Vertrauen ist schwer zu gewinnen und leicht zu verlieren.
- Vertrauen wächst durch die Übereinstimmung von Wort und Tat, mit Vorhersagbarkeit.
- Wenn Vertrauen mit der Übereinstimmung von Wort und Tat zu tun hat, hat es wahrscheinlich auch mit dem Semiotischen Dreieck zu tun.
- Wenn Vertrauen durch die Übereinstimmung von Wort und Tat wächst, hat Vertrauen mit Kommunikation zu tun.
- Es gibt verschiedene “Formen” von Kommunikation. Es scheint, als gäbe es:
- Formale Kommunikation, bspw. Newsletter und Statusberichte. Meistens ist formale Kommunikation das Ergebnis eines fokussierten Prozesses.
- “Wesentliche” Kommunikation. Wesentliche Kommunikation ist subjektiv, nur in einer vertrauensvollen Umgebung möglich. Wesentliche Kommunikation ist ein Mittel für das Individuum, sich ganzheitlich als Mensch auszudrücken.
- Es gibt verschiedene “Formen” von Vertrauen. Spontan fallen mir ein:
- Vertrauen in die Fähigkeit (ich habe Dir 100€ geliehen – und Du kannst sie zurückgeben)
- Vertrauen in die Absicht (ich habe Dir 100€ geliehen – und Du willst sie zurückgeben)
- Vertrauen in das gemeinsame Verständnis (ich habe Dir 100€ geliehen – siehst sie tatsächlich als “geliehen” an, nicht als “geschenkt”)
Dabei sind für mich zunächst die zentralen Begriffe “Übereinstimmung von Wort und Tat” (bzw. das Semiotische Dreieck) und die Unterscheidung zwischen formaler und wesentlicher Kommunikation.
Zum Begriff der wesentlichen Kommunikation sei noch eine Referenz angegeben: Der Begriff wurde mir ans Herz gelegt auf Basis eines Buches zur Paartherapie, mit dem Zusatz “so sollte auch ein Vorgesetzter mit einem Mitarbeiter reden – und umgekehrt” (und das deckt sich auch mit meinen bisherigen Experimenten damit). Der Begriff ist also über seinen Ursprung in der Paartherapie hinaus sinnvoll einsetzbar. Dazu muß man allerdings die eigene kritische Vernunft bemühen, um das Geschriebene auf andere Themen zu transferieren. Wie gesagt, für mich hat’s bis jetzt funktioniert. Das angesprochene Buch: Die Wahrheit beginnt zu zweit. Das Paar im Gespräch.
Soweit es die Zeit erlaubt werde ich also jetzt hier über Vertrauen schreiben und versuchen, die Gedanken zu sortieren.
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April 13th, 2008 um 13:37
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